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orona hat die Welt auf den Kopf gestellt – auf vielfältigste Weise. Dazu gehören auch massive Umstellungen und Einschränkungen im bisherigen Leben, was sich auf so manche Ehe auswirkt bzw. bereits ausgewirkt hat. Rechtsanwälte, Anlaufstellen für Familien und Psychologen bekommen verstärkt Nachfragen rund ums Thema Trennung und Scheidung. So berichtete eine Berliner Familienrechtlerin schon im Frühjahr 2020, sie habe „unheimlich viele Anfragen" zu Scheidungen erhalten. Dabei hatte das obligatorische Trennungsjahr noch gar nicht begonnen oder war noch nicht einmal abgelaufen. Stattdessen hieß es: „Die Leute hatten sich gerade erst getrennt und nicht informiert, welche Voraussetzungen für eine Scheidung erfüllt sein müssen."

Wieso ist das so? Was macht Corona zu einem Beziehungskiller und muss das wirklich so sein?

Immerhin berichten einige Paare, die „Extremsituation“ hätte ihre Beziehung noch gestärkt. Schauen wir uns Corona und die Auswirkungen auf Partnerschaften etwas näher an, denn das hilft, eine Ehekrise wegen Corona zu meistern.

Wieso kann Corona sich so drastisch auf die Ehe auswirken?

Corona lässt sich mit andauernden Weihnachtsferien vergleichen. Die Weihnachtszeit ist bekanntlich für viele Partnerschaften eine Stressprobe, denn für mehrere Tage hockt die ganze Familie – oft inklusive der anstrengenden Schwiegereltern – zusammen. Es wird viel Zeit miteinander verbracht und es gibt kein Entrinnen. Die Corona-Einschränkungen brachten eine vergleichbare Situation mit sich, nur gab es keine zeitnahe Erlösung. Während es spätestens nach dem Jahreswechsel zurück in den Job und in die Hobbys geht, bedeutet ein Lockdown Daueranspannung. Keine Fahrt ins Büro. Keine Freizeitaktivitäten. Alles konzentriert sich aufs Heim.

Die viele Zeit zusammen an einem kleinen Ort kann Stress erzeugen. Unterdrückte Konflikte kommen hoch.

Darüber hinaus verändern sich weitere Parameter im Leben. Corona bringt bei manchen Menschen tiefe Ängste hervor oder bewirkt Geldsorgen sowie Probleme wegen Betreuungsengpässen der Kinder oder älteren Familienangehörigen.

Auf manche Paare lastet aufgrund all dieser Faktoren ein immenser Druck, der einen ungeahnten psychischen Stress aufbaut. Diese permanente Überlastung und die existentielle Bedrohung können sogar die Gesundheit beeinträchtigen. Und schon ist ein weiterer Stressfaktor für das Paar da. Beide leiden, aber finden keinen Weg zusammen. Es ist auch nicht leicht, in dieser Situation immer vernünftig mit dem anderen umzugehen. Selbst wenn aufrichtige Liebe da ist, kann sie durch Corona gänzlich betäubt werden.

Es trifft insbesondere Paare mit Kindern

Kinder sind ein Segen, aber gerade in Coronazeiten mutieren sie oft zum weiteren Stressfaktor in der Beziehung. Das mag nicht fair sein, aber Statistiken zeigen deutlich: Paare mit Kindern schlittern wegen Corona öfter in die Ehekrise als kinderlose Ehepaare. Warum? Die Sprösslinge brauchen Betreuung und Unterstützung bei der Schularbeit. Wer übernimmt das? Wenn beide Partner im Homeoffice sitzen, ist es besonders schwer. Die Kinderbetreuung ist jetzt noch eine weitere Belastung, die sonst im normalen Alltag dank Schule oder Kindergarten nicht existiert. Und wer sich oft nicht auf seine Arbeit konzentrieren kann, fühlt sich rasch frustriert. Frustration führt zu Aggression oder bei manchen zu Weinkrämpfen.

Ehekrise wegen Corona: jetzt nicht vorschnell agieren

Gründe für die Ehekrise wegen Corona gibt es viele. Die Krise selbst macht sich durch Anzeichen wie häufige Streitigkeiten über Kleinigkeiten, ein allgemeines unfreundliches Verhalten oder einem zunehmenden Rückzug des Partners bzw. der eigenen Person bemerkbar. Eine Ehekrise zu erkennen, ist damit nicht schwer. Schwer ist jedoch, sie richtig zu meistern und nicht auszusitzen.

Die Grundregel lautet: Bitte nicht vorschnell agieren, sondern die Ausnahmesituation mit ihren vielen Einschränkungen bestmöglich nutzen.

Jetzt ist es wichtig, Werte und Wünsche in Ruhe und ohne Beschuldigungen miteinander abzugleichen. Das ist anstrengend und geht mit Enttäuschungen einher. Durch das häufige und enge Miteinander zeigen sich plötzlich ganz deutlich Verhaltensmuster, die sich über die Jahre eingeschlichen haben. Vielleicht ist der eine nur ein Morgenmuffel, der erst ab mittags ansprechbar ist. Arbeitet diese Person normalerweise außer Haus, ist dies für die Familie kein Problem. Das morgendliche Grummeln wird übersehen, da jeder im morgendlichen Stress versinkt. Sitzt diese Person jetzt im Homeoffice und raunzt jeden Tag den Partner an, stellt sich auf einmal eine andere Situation dar.

Ganz gleich, welche Probleme sich auftun, es ist wichtig, besonnen zu bleiben. Suche mit deinem Partner das Gespräch. Geht auf euch ein. Sprecht über Ängste und Gefühle. Besonders wichtig ist, die Frustration nicht am Partner auszulassen.

Ehekrise erkennen und direkt dagegen angehen

Am besten ist natürlich, wenn es erst gar nicht zur Ehekrise kommt. Ist sie da, muss das nicht das Aus deiner Ehe bedeuten. Ihr könnt wieder zusammenfinden. Wie?

Bedenke, dass ihr euch aus guten Gründen füreinander entschieden habt. Diese Entscheidung und das damit verbundene Grundgefühl darfst du nicht vergessen. Mach dir klar, dass ein Streit nicht immer zur Klärung führen muss. Ihr seid zwei Personen mit manchmal unterschiedlichen Ansichten. Es ist wichtig, die eigenen Sorgen und Probleme dem anderen mitzuteilen. Der andere sollte zuhören und bei Unsicherheiten nachfragen. Sind es größere Schwierigkeiten, findet sich häufig keine Sofortlösung. Jetzt heißt es, dem anderen Zeit geben und Verständnis zeigen. Hierbei solltet ihr euch darin erinnern, dass euch viel mehr als nur ein Thema verbindet. Streitet ihr euch beispielsweise über den Grad der Sauberkeit im Haushalt, ist dies nur ein Aspekt von vielen im Leben. Euch verbindet viel mehr. Nutzt diese Gemeinsamkeiten und verstärkt diese, um euch eurer Liebe bewusst zu machen!

Grundsätzlich ist es unerlässlich, in der Partnerschaft ein positives Verhalten zu haben. Hierbei helfen kleine Rituale wie ein Guten-Morgen- und Gute-Nacht-Kuss. Danke, Bitte und Entschuldigung sind Worte, die auch der Partner von dir hören sollte. Respekt und Wertschätzung halten die Partnerschaft am Laufen.

Wen große Existenzängste plagen, der sollte rasch darüber mit dem Partner sprechen. So finden sich viel besser zielführende Lösungen, als im Stillen zu leiden. Für die Ängste muss sich niemand schämen. Brauchst du ein wenig Zeit für dich, dann ändere doch ein bisschen deinen Zeitplan. Indem du morgens eine Stunde vor deinem Partner aufstehst, oder Abends eine Stunde früher zu Bett gehst, um in Ruhe ein Buch zu lesen verschafft dir 60 Minuten Privatsphäre. Daran ist nicht verwerfliches, denn Freiräume müssen sein.

Corona als Streitpunkt an sich

Manch ein Paar kann sich mit den Einschränkungen durch Corona gut arrangieren. Das Problem ist ein anderes: Sie haben eine unterschiedliche Einstellung zum Coronathema. Schnell können so Streitigkeiten entstehen, die sich um Fragen wie „Impfung, ja oder nein“, „die Coronamaßnahmen sind zu lasch“ etc. drehen können. Hier tut sich eine schwierige Situation auf, denn es kann sich um große Streitthemen handeln. Manch einer wundert sich nun, mit wem er verheiratet ist. „Ich wusste gar nicht, dass du so ein blöder Impfgegner bist!“ oder „Wieso lässt du dich so von den Medien manipulieren?“ sind Aussagen, die verletzen und eine tiefe Kluft zwischen einem Paar auftun.

Doch liegt es wirklich an Corona oder stecken dahinter nicht doch eher gut verborgene Sorgen und Ängste? Es ist wichtig, dass du mit deinem Partner darüber sprichst und nicht primär über die Einstellung zu bestimmten Coronathemen.

Wer sich unbedingt impfen oder eben nicht impfen lassen möchte, wird sich nicht belehren lassen. Besser ist dann, die Sachebene zu verlassen und nicht weiter mit Argumenten gegen den anderen anzukämpfen. Bleib nicht an der Oberfläche, sondern versuch herauszubekommen, wie diese Einstellung entstand. Verstehen geht mit Verständnis einher. Und letzteres ist für die Partnerschaft unerlässlich.

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Photo by Fahim R. on Unsplash

Publiziert am 
Apr 16, 2021
 in Kategorie:
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